Leitfaden für die Erstellung von digitalen Selbstlernkursen

Eva Olivin
Lisa Krug
Florian Berger
und das Projekt-Team Raketen-Wissenschaft

Illustration: Imke Schmidt-Sári

CC-BY-ND
Dezember 2021

Druckversion als PDF (nicht barrierefrei)

Inhaltsverzeichnis

Ein Faden, der in ein Wollknäuel mündet, dient als Unterstreichung des Dokumenttitels. Alle Bilder in diesem Dokument sind im Comic-Stil gezeichnet. Die kleinen Szenen sind mit Grau- und Rottönen eingefärbt.

1 Überblick

2 Seid ihr die Zielgruppe von die­sem Leitfaden?

2.1 Euer Vorhaben

2.2 Euer Team-Hintergrund

2.3 Euer Projekt-Hintergrund

Die Zielgruppe und ihre Bedarfe sind klar

Die Start-Konzepte ste­hen fest

Ein inhalt­li­ches Konzept

Ein gestal­te­ri­sches Konzept

Ein tech­ni­sches Konzept

3 Vorbereitung

3.1 Das Team

Zusammenstellung

Verstärkung

3.2 Auswahl eurer Start-Werkzeuge

4 Planung

4.1 Ziele festlegen

4.2 Aufgaben feststellen

4.3 Ressourcen pla­nen und Aufgaben verteilen

4.4 Zeitplan machen

5 Umsetzung

5.1 Aufgaben abarbeiten

5.2 Zwischenstände tes­ten und abnehmen

5.3 Gesamtprojektstand über­wa­chen und bekanntgeben

5.4 Öffentlichkeitsarbeit beginnen

6 Abnahme

6.1 Testen unter Real-Bedingungen

6.2 Ziele und Ergebnis vergleichen

6.3 Achtet auf die Nachhaltigkeit

7 Veröffentlichung

7.1 Letzter Kurz-Test

7.2 Technische Veröffentlichung

7.3 Öffentlichkeitsarbeit

7.4 Feiern

1 Überblick

Dieser Leitfaden ist eine Handreichung für den orga­ni­sa­to­ri­schen Ablauf der Produktion eines digi­ta­len Selbstlernkurses.

Er hilft bei die­sen Fragen:

  • Wie berei­tet sich euer Team gut auf die Produktion vor?
  • Welche Schritte brin­gen euch zu einem Aufgaben‑, Ressourcen- und Zeitplan?
  • Wie behal­tet ihr den Überblick bei der Umsetzung?
  • Was ist bei der Abnahme zu beachten?
  • Wie läuft die Veröffentlichung ab?

Wir wün­schen euch viel Erfolg bei der Produktion. Unter der E‑Mail-Adresse info@raketen-wissenschaft.de könnt ihr uns Rückmeldungen zu die­sem Leitfaden geben.

4 Wegweiser schildern den Pfad von Schritt 1 bis Schritt 4 aus. Ein Igel mit Rucksack, ein Langohr-Hase, ein rollstuhlfahrender Fuchs und ein Biber folgen dem Pfad. Ein kleiner Vogel fliegt ihnen voraus.

2 Seid ihr die Zielgruppe von diesem Leitfaden?

2.1 Euer Vorhaben

Fuchs, Hase und Igel haben die Augen geschlossen. In ihrer gemeinsamen Gedankenblase schweben 3 kleine Sterne und ein Computer-Monitor, der das Wort Lernkurs anzeigt.

Ihr wollt einen
digi­ta­len Selbstlernkurs erstellen.

2.2 Euer Team-Hintergrund

Ihr seid eine zivil­ge­sell­schaft­li­che Gruppe oder ein Verein und habt ein geför­der­tes Projekt oder ein vor­han­de­nes Projekt-Budget.

2.3 Euer Projekt-Hintergrund

Ihr fangt nicht bei Null an, son­dern habt schon die­se Grundlagen geschaffen:

Die Zielgruppe und ihre Bedarfe sind klar

Ihr wisst, an wen sich euer zukünf­ti­ges Angebot rich­tet, und was die­se Zielgruppe ausmacht.

Der kleine Vogel hält mit dem Flügel ein Klemmbrett hoch. Es trägt die Überschrift: Checkliste. Der erste abgehakte Eintrag lautet: Zielgruppe.

Ihr wisst, was eure Zielgruppe ger­ne neu ler­nen oder bes­ser kön­nen möchte.

Ihr wisst, wel­che Möglichkeiten – auch tech­ni­sche – eurer Zielgruppe zur Verfügung ste­hen, und wel­che Barrieren für sie eine Rolle spielen.

Die Start-Konzepte stehen fest

Ihr habt die 3 wesent­li­chen Konzepte erar­bei­tet, die die Grundlage für einen Lernkurs sind, oder sie wur­den euch zuge­ar­bei­tet. Diese Konzepte sind:

Ein inhaltliches Konzept

Es beschreibt, was in dem Kurs wie und war­um passiert.

Das inhalt­li­che Konzept soll­te von Fachleuten für die Inhalte und für Didaktik vor­be­rei­tet oder beglei­tet sein.

Eine schillernde Dose zeigt auf ihrem Etikett ein Bonbon.

Das Konzept muss Überlegungen zur Barrierefreiheit beinhal­ten: Unterschiedliche Gruppen benö­ti­gen mög­li­cher­wei­se eine unter­schied­li­che inhalt­li­che Aufbereitung.

Auf einer Zeile befinden sich ein Pinsel mit Farbklecks, ein Farb-Kontrast-Balken, eine Stoppuhr, das große und das kleine A einer Schriftart und eine Achtel-Note.
Ein gestalterisches Konzept

Es beschreibt Design-Richtlinien und ‑Entscheidungen. Dazu gehö­ren Layout, Klang, Farben und Kontraste, Tempo, Typographie, Nutzer*innen-Erfahrung („User Experience /​ UX“) und Benutzenden-Schnittstelle („User Interface /​ UI“).

Der Biber zieht mithilfe von einem Handwagen ein riesiges, in Geschenkpapier verpacktes Ding hinter sich her. Durch die locker sitzende Geschenk-Verpackung ist die genaue Form nicht erkennbar.

Besonders beim gestal­te­ri­schen Konzept wird oft mit Vorschau-Modellen („Prototypen“) gearbeitet.

Ein technisches Konzept

Es beschreibt die Technologie für die Umsetzung, erklärt die Gründe für die Auswahl und beschreibt ver­schie­de­ne tech­ni­sche Alternativen, wenn Entscheidungen erst bei der Umsetzung getrof­fen wer­den können.

Am bes­ten soll­ten alle Konzepte bereits mit Fachleuten und mit der spä­te­ren Zielgruppe abge­stimmt sein.

Ein Koala mit Klemmbrett, eine Gazelle mit kritischem Blick, ein Tukan, ein Axolotl und ein Ameisenbär mit einer Tastatur unter dem Arm stehen dicht beieinander.

3 Vorbereitung

3.1 Das Team

Zusammenstellung

Ist euer Team groß, kom­pe­tent, ein­ge­spielt und divers genug für das Vorhaben?

4 Tiere transportieren einen hochkant gekippten Konzert-Flügel einen unebenen Weg entlang. Während Hase und Igel die Seiten ausbalancieren, sorgt der rollstuhlfahrende Fuchs in der Mitte für Schwung und Stabilität und der kleine Vogel behält den Überblick.

Eure Teamgröße beein­flusst direkt, wie viel ihr in einer gege­be­nen Zeit schaf­fen könnt. Gut abge­stimmt schaf­fen vier Menschen auch bis zu vier mal so viel wie ein ein­zel­ner Mensch. Nehmt euch nur so viel vor, wie euer Team schaf­fen kann, oder ver­grö­ßert euer Team (sie­he nächs­ter Abschnitt). Ob die Teamgröße reicht, merkt ihr spä­tes­tens im Abschnitt „Planung“.

Ihr könnt euch zwar immer Hilfe von außen holen, aber am bes­ten funk­tio­niert so ein anspruchs­vol­les Projekt, wenn ihr die wesent­li­chen Kompetenzen schon im Team habt. Ihr braucht Leute, die sich inhalt­lich aus­ken­nen, wel­che, die etwas von Didaktik ver­ste­hen, ihr braucht Gestalter*innen und Programmierer*innen, Leute aus der Zielgruppe, oder Leute, die Kontakt mit ihr hal­ten, und Menschen, die gut im Organisieren und Verwalten sind.

Es hilft enorm, wenn die­ser Lernkurs nicht euer ers­tes Projekt ist. Zusammenarbeit an einem Projekt, für das ihr euch begeis­tert, ist eine tol­le Sache, aber in der Arbeit als Gruppe lau­ern auch vie­le Fallstricke – beson­ders, wenn ihr unter Zeit- und Kostendruck arbei­ten müsst. Wenn ihr bereits gelernt habt, wo eure Stärken und Schwächen lie­gen, wie ihr wert­schät­zend, aber effek­tiv mit­ein­an­der umgeht und wie ihr Konflikte löst, ist ein sol­ches Projekt deut­lich ein­fa­cher zu rea­li­sie­ren. Falls ihr ein ganz fri­sches Team seid: Fangt mit einem über­sicht­li­chen Vorhaben an.

Divers genug ist ein Team eigent­lich nie. Die Ergebnisse von Team-Arbeit sind immer bes­ser, wenn Menschen mit unter­schied­li­chen Erfahrungen und Perspektiven zusam­men­ar­bei­ten. Ihr könnt gezielt dar­auf hin­wir­ken, in eurem Team die Teilhabe von Menschen zu ermög­li­chen, die sonst über­gan­gen oder ver­ges­sen werden.

Verstärkung

In spä­te­ren Schritten bemerkt ihr mög­li­cher­wei­se, dass euer Team zu klein ist, oder bestimm­te Kompetenzen feh­len. Als neue Team-Mitglieder könnt ihr Menschen anwer­ben, die ihr bereits kennt und deren Kompetenzen oder Umgang ihr schon ein­schät­zen könnt. Daneben könnt ihr freie Projekt-Stellen auch öffent­lich bewer­ben oder aus­schrei­ben. Nutzt dafür Medien, in denen die Art von Leuten unter­wegs ist, die ihr sucht.

Der Hase hat ein Fahndungsplakat an eine Wand genagelt. Es trägt die Aufschrift: Wanted, und zeigt eine eierlegende Woll-Milch-Sau.

Wenn neue Mitglieder zum Team dazu­kom­men, besprecht mit ihnen gleich am Anfang das Ziel eurer Arbeit – nicht nur das ganz kon­kre­te, son­dern zum Beispiel auch eure gesell­schaft­li­chen Ziele. Umgekehrt sind auch die Erwartungen der neu­en Mitglieder an die Arbeit im Team und am Projekt wich­tig. Klärt die Rahmen-Bedingungen wie Arbeitsort, Bezahlung oder tech­ni­sche Voraussetzungen. Und besprecht die Bedürfnisse der Neuen für eine gleich­be­rech­tig­te und ange­neh­me Teilhabe an der Team-Arbeit, und wel­che Barrieren ihr dafür mög­li­cher­wei­se abbau­en müsst.

Sobald die neu­en Mitglieder dabei sind, bin­det sie aktiv ein. Nehmt euch Zeit für die ers­ten Treffen und zum Kennenlernen, und ach­tet dabei beson­ders auf ihre Bedürfnisse und Fragen. Seid gut vor­be­rei­tet auf die Details, die zum Mitmachen erfor­der­lich sind, zum Beispiel ana­lo­ge Schlüssel oder digi­ta­le Passwörter. Erklärt in Ruhe ein­ge­spiel­te Werkzeuge und Abläufe, die für euch schon selbst­ver­ständ­lich sind. Achtet auf Transparenz und Übersichtlichkeit: Gebt Möglichkeiten zum Nachvollziehen ver­gan­ge­ner Entscheidungen und Projekt-Ergebnisse, und fasst die wich­tigs­ten Informationen und Ansprech-Partner*innen schrift­lich und leicht zugäng­lich zusammen.

3.2 Auswahl eurer Start-Werkzeuge

Für eine effek­ti­ve Projekt-Arbeit braucht ihr Werkzeuge und Abläufe. Damit kann sehr vie­les gemeint sein, von der regel­mä­ßi­gen Telefon-Konferenz bis zur ver­sio­nier­ten Volltext-Datenbank für das Wissens-Management.

Der Beginn die­ses Projektes ist ein guter Zeitpunkt, noch ein­mal über die­se Werkzeuge nach­zu­den­ken und sie auf den gedank­li­chen Prüfstand zu stel­len. Die Werkzeuge müs­sen effek­tiv sein, also ihren Zweck erfül­len, und die Qualität muss stim­men, sie müs­sen also zu euren Ansprüchen und zu eurer Arbeitsweise passen.

Neben einer Klappbox mit der Aufschrift Starterkit liegen ein Maulschlüssel, ein Schraubendreher, eine Säge und eine Schachtel Nägel.

Für fol­gen­de Vorgänge wer­det ihr Werkzeuge brauchen:

  • Schnelle, kur­ze Absprachen
  • Gemeinsames Verfassen von Dokumenten
  • Virtuelle Konferenzen mit Bild, Ton und Text
  • Austausch und Archivierung von digi­ta­len und ana­lo­gen Dokumenten
  • Wissens-Management und Dokumentation
  • Terminabstimmung und gemein­sa­mer Kalender

Werkzeuge und Abläufe soll­ten für alle Teammitglieder gleich gut zugäng­lich und ver­wend­bar sein. Das gilt beson­ders für die Barrierefreiheit – denkt die zei­tig mit, bevor ihr bei einem Werkzeug lan­det, das man­che Menschen über­haupt nicht ver­wen­den können.

Gut geeig­net sind meis­tens offen stan­dar­di­sier­te Formate und Open-Source-Programme. Die haben den wei­te­ren Vorteil, dass sie in der Regel lang­fris­tig zur Verfügung stehen.

Zwischenstand nach der Vorbereitung: Ihr habt ein gut abge­stimm­tes, hand­lungs­fä­hi­ges Team auf­ge­stellt, eure Start-Werkzeuge über­prüft und habt ein inhalt­li­ches, ein gestal­te­ri­sches und ein tech­ni­sches Konzept für einen digi­ta­len Selbstlernkurs.

4 Planung

4.1 Ziele festlegen

Jetzt wird es kon­kret: die Konzepte lie­gen vor, das Team steht bereit. Aber was genau soll nun pas­sie­ren, war­um, durch wen und in wel­cher Reihenfolge? Das legt ihr in die­sem Abschnitt fest.

Das all­ge­mei­ne Ziel des Projektes ist offen­sicht­lich ein Online-Selbstlernkurs, aber das reicht als Ziel nicht aus. Ihr müsst for­mu­lie­ren, wel­che Ergebnisse ihr im Detail erwar­tet. Diese Ziele müs­sen kon­kret und über­prüf­bar sein. Nur so könnt ihr spä­ter den Projekterfolg bewer­ten. Ausgangspunkt eurer Ziele kann die Zielgruppen- und Bedarfsanalyse aus dem ers­ten Abschnitt sein. Ein gutes Vorgehen ist, die Ziele aus der Perspektive der Zielgruppe zu formulieren.

An der Zielgerade einer Rennstrecke jubeln Hase, Fuchs und Igel. Sie halten insgesamt 5 Schilder mit Buchstaben in die Höhe: S, M, A, R, T.

Eine Hilfe für die Formulierung guter Ziele kön­nen die SMART-Kriterien sein: Ziele sol­len dem­nach spe­zi­fisch, mess­bar, attrak­tiv, rea­lis­tisch und ter­mi­niert sein.

Findet eine gute Balance bei den Zielen: 1 Ziel ist zu wenig, 6 Ziele sind zu viel.

Hintergründe zu den SMART-Kriterien fin­det ihr etwa bei der Heinrich-Böll-Stiftung ( https://kommunalwiki.boell.de/index.php/SMART-Ziele ) oder auf der Ratgeber-Seite von Monika Vog ( https://foerdermittel-wissenswert.de/projektziele-formulieren/ ).

4.2 Aufgaben feststellen

Um die Ziele zu errei­chen, muss etwas getan wer­den. Was genau, das beschrei­ben die Aufgaben, die ihr in die­sem Abschnitt her­aus­ar­bei­tet. Sie sind der Weg zum Ziel.

Eine gute Möglichkeit dafür ist, von den Zielen aus rück­wärts zu pla­nen: Welches sind der oder die unmit­tel­bar letz­ten Schritte, bevor eines eurer Ziele erreicht ist? Und was muss wie­der­um erle­digt wer­den, damit die­se Schritte mög­lich werden?

Am linken Seitenrand steht ein Schild mit der Aufschrift: Start. Rechts am Seitenrand steht ein Schild mit der Aufschrift Ziel. Der Biber geht den dazwischenliegenden Weg rückwärts, von rechts nach links. Er hat seinen Kopf dafür weit über die Schulter zurückgedreht.

Bei eini­gen Zielen oder Schritten wer­den die Aufgaben kurz und ein­fach sein. Bei ande­ren wer­det ihr fest­stel­len, dass eine Vielzahl von klein­tei­li­gen, von­ein­an­der abhän­gi­gen Aufgaben ent­steht, die sich wie ein Baum ver­äs­teln. Schreibt die­se Aufgaben und ihre Abhängigkeiten gut auf, etwa auf gro­ße Papierbögen, oder digi­tal als ein­ge­rück­te Listen oder gra­fi­sche Bäume aus Stichpunkten (manch­mal „Mindmaps“ (Gedankenkarten) genannt). Später könnt ihr Listen, Tabellen oder spe­zia­li­sier­te Aufgaben- oder Projektmanagement-Software ver­wen­den, um die Aufgaben zu erfas­sen und ihre Erledigung zu begleiten.

4.3 Ressourcen planen und Aufgaben verteilen

Ihr habt jetzt einen guten Überblick, wel­che Ziele ihr errei­chen wollt, und aus wel­chen Aufgaben der Weg dort­hin besteht. Nun geht es um die Menschen und Arbeitsmittel, die dafür not­wen­dig sind.

Schaut euch dafür jede Aufgabe aus dem vor­her­ge­hen­den Schritt an, und über­legt euch:

  • Welche Kompetenzen sind für die­se Aufgabe notwendig?
  • Welche Arbeitsmittel braucht es dafür?

Wenn ihr das nicht ein­schät­zen könnt, holt euch dazu Fachleute zur Hilfe.

Der Fuchs stemmt sich die Hände in die Hüften, der Igel kratzt sich am Kopf.

Die nächs­ten Überlegungen sind:

Der Vogel hält sich mit zum Spagat gespreizten Beinen in der Luft. Dabei jongliert er mit 3 Bällen. Auf den Bällen steht: Kompetenz, Mittel, Zeit.
  • Haben wir die not­wen­di­ge Kompetenz im Team, wer kann das erle­di­gen? Und wenn nicht: Wo bekom­men wir die Kompetenzen her, etwa durch Weiterbildung oder Team-Vergrößerung (sie­he Abschnitt „Vorbereitung“)?
  • Stehen uns die not­wen­di­gen Arbeitsmittel zur Verfügung? Auch in aus­rei­chen­der Menge? Wenn nicht: Wo bekom­men wir die her? Gibt es beson­de­re Bedarfe bei den Arbeitsmitteln?

Schreibt die Kompetenzen und Arbeitsmittel zu den Aufgaben dazu, erfasst sie auch auch noch ein­mal in einer extra Liste.

Zu den Arbeitsmitteln gehö­ren auch Räume, die für alle gut zugäng­lich und erreich­bar sind. Denkt dabei auch an die Anreise und die Kosten, die Teammitgliedern entstehen.

Am linken Seitenrand steht der Biber mit einem Fernglas. Er blickt über die Wasserfläche, die zu einer kleinen Insel am rechten Seitenrand führt. Darauf befindet sich eine Hütte mit der Aufschrift: Tagungshaus. Der Biber denkt sich: Hm.
Von links lehnt sich der Biber in die Seite. In seinen aufeinander gestapelten Sprechblasen steht jeweils: Nein.

In die­sem Abschnitt ist es auch eine gute Idee, sich über die Zusammenarbeit Gedanken zu machen. Können alle Leute (oder die, die es müs­sen) gut zusam­men­ar­bei­ten? Gab es schon mal Meinungs­verschiedenheiten oder Streit? Oder Menschen, die beson­ders gut mit­ein­an­der arbei­ten können?

Von rechts lehnt sich der Igel in die Seite. In seinen aufeinander gestapelten Sprechblasen steht jeweils: Doch.

Stück für Stück könnt ihr die Aufgaben zutei­len, wäh­rend ihr sie durch­geht. Es kann auch sein, dass ihr eini­ge Male zurück­ge­hen und Aufgaben neu ver­tei­len müsst, oder bemerkt, dass ihr ein grö­ße­res Team oder mehr Arbeitsmittel braucht.

Wenn eine Aufgabe aus vie­len Teil-Aufgaben besteht, soll­tet ihr die über­ge­ord­ne­te Aufgabe trotz­dem einer oder meh­re­ren Personen zutei­len. Diese Personen haben dann die Gesamtverantwortung für das Aufgabenpaket. Das ver­bes­sert spä­ter bei der Umsetzung die Übersicht.

Eine bauchige Flasche mit schmalem Hals trägt die Etikett-Aufschrift: Projekt. Im Flaschenhals klemmt eng eingepresst der Biber, sein Kopf sitzt wie ein Stöpsel auf der Flasche.

Wenn alle Aufgaben ver­teilt sind, schaut euch noch ein­mal das Ergebnis ins­ge­samt an. Ist die Verteilung fair? Bekommen eini­ge Personen mehr oder weni­ger Entscheidungsmacht, als ihr das möch­tet? Sind bestimm­te Menschen oder Arbeitsmittel ein Flaschenhals, die bei Problemen den gan­zen Projektfortschritt blo­ckie­ren könnten?

Dieses Thema soll­tet ihr am Schluss die­ses Schrittes noch ein­mal ver­tie­fen. Wie wollt ihr damit umge­hen, wenn die Erledigung einer Aufgabe blo­ckiert ist, oder län­ger dau­ert als geplant? Wenn ihr das früh­zei­tig besprecht, dann gibt es spä­ter weni­ger Auseinandersetzungen, und ihr wisst gleich, was zu tun ist. Lösungen kön­nen ein Vertretungsplan, ein ver­schieb­ba­rer Projekt-Abschluss oder von Beginn an ein­ge­plan­te Zusatz-Zeiten („Puffer“) sein.

4.4 Zeitplan machen

Für jede Aufgabe ist nun bekannt, wovon sie abhängt, was sie ermög­licht, wer sie erle­digt und wel­che Arbeitsmittel not­wen­dig sind. Daraus ergibt sich bereits eine Reihenfolge und damit ein Ablaufplan. Dieser Plan trifft jetzt auf den Kalender.

Der Vogel wirft in hohem Bogen einen Dartpfeil auf einen Kalender. In dem Kalender sind verschiedene Tage markiert. In einem der markierten Tage steckt schon ein Dartpfeil.

Grundlage für den Zeitplan ist eine Zeitschätzung für jede Aufgabe. Das ist ein Schritt, der selbst für Menschen mit viel Erfahrung im Projektmanagement eine gro­ße Herausforderung ist. Trotzdem muss es sein: Zu jeder Aufgabe muss am Ende ein Zeitraum gehö­ren, den sie beansprucht.

Oft bleibt nichts ande­res übrig, als erst ein­mal drauf­los zu schät­zen. Wenn ihr das als Team macht, kann die Schätzung zuver­läs­si­ger wer­den. Ansonsten könnt ihr auch hier wie­der Fachleute befra­gen. Es hilft, die ers­te Zeitschätzung groß­zü­gig auf­zu­run­den. Aufgaben, deren Erledigung kür­zer braucht als geplant, sind sel­ten ein Problem – Aufgaben, die län­ger brau­chen als geschätzt, sor­gen für Schwierigkeiten. Je unbe­kann­ter die Aufgabe ist, um so mehr Zeit soll­tet ihr dazuschätzen.

Der Hase streckt seine Arme so weit wie möglich aus. Dabei verlängert sich sein rechter Arm um das Fünffache.

Sind die Zeitschätzungen sehr unsi­cher, oder stel­len sich in der Umsetzung gro­ße Abweichungen her­aus, kann es hel­fen, beweg­li­ches („agi­les“) Projektmanagement zu ver­wen­den. Bei die­ser Methode arbei­tet ihr Aufgaben in kur­zen, zum Beispiel wochen­wei­sen, Blöcken ab und schätzt die Zeit für die nächs­ten Aufgaben und bis zur Gesamtfertigstellung nach jedem Block neu ein. So könnt ihr wäh­rend des Projektes aus Erfahrungen ler­nen, und eure Schätzungen wer­den immer bes­ser. Eine Methode für die­ses beweg­li­che Projektmanagement heißt „Scrum“.

Aus dem Ablaufplan und den Zeitschätzungen ergibt sich ein Zeitplan. In die­sem Zeitplan könnt ihr Momente erken­nen, wenn gro­ße Teil-Aufgaben abge­schlos­sen sind. Diese Momente hei­ßen „Meilensteine“. Diese Meilensteine sind gute Gelegenheiten, Zwischenstände zu tes­ten und abzu­neh­men (sie­he Abschnitt „Umsetzung“).

Für umfang­rei­che Teil-Aufgaben könnt ihr zusätz­li­che Teil-Zeitpläne erstellen.

Zusammen mit den geschätz­ten Verfügbarkeiten der Teammitglieder habt ihr jetzt genug Informationen, um den Zeitplan in den Kalender eintragen.

Aus einer Wasseroberfläche ragen hintereinander 7 kleine Steine heraus. Der Igel hüpft von Stein zu Stein. 6 Steine hat er schon geschafft und schaut noch einmal zurück.

Beachtet, dass ihr zusätz­li­che Zeit ein­pla­nen müsst für

  • die Abstimmungen von Teammitgliedern und Teil-Aufgaben untereinander
  • Korrekturen und der Einarbeitung von Rückmeldungen
  • Absprachen mit Tester*innen aus der Zielgruppe, und die Arbeit mit ihnen
  • all­ge­mei­ne Verwaltung und Ablaufkontrolle.

Ganz all­ge­mein gilt: Es ist immer not­wen­dig, Ausfälle und Verzögerungen einzuplanen.

Überlegt auch, wo ihr not­falls kür­zen könnt. Achtet dabei auf eure Ziele und wich­tigs­ten Ansprüche: Bei denen wollt ihr nie­mals kürzen.

Zwischenstand nach der Planung: Ihr habt die Ziele des Projektes genau auf­ge­schrie­ben, ihr wisst, wel­che Aufgaben auf dem Weg dahin zu erle­di­gen sind, ihr habt die Ressourcen für das Projekt vor­ge­plant, die Aufgaben ver­teilt und einen Zeitplan auf­ge­stellt, der genü­gend Raum für Unvorhergesehenes lässt, ohne dass ihr Kompromisse im Kern des Projektes ein­ge­hen müsst.

5 Umsetzung

5.1 Aufgaben abarbeiten

Nach gründ­li­cher Planung ist jetzt die Realisierung dran. Die besteht vor allem dar­in, dass die Menschen, die Aufgaben ange­nom­men haben, die­se Aufgaben erledigen.

Der Vogel hat eine Krone auf dem Kopf und flattert in der Luft. Er hat die Augen würdevoll geschlossen und redet und redet und redet.

So sim­pel das klingt: Das Wichtigste in die­sem Abschnitt ist, dass das tat­säch­lich pas­siert. Also: Dass alle Beteiligten genug Zeit, Ruhe, Arbeitsmittel und, wo erfor­der­lich, Austausch haben, damit die Aufgaben vorankommen.

Menschen arbei­ten sehr unter­schied­lich. Deswegen ist es wich­tig, dass in die­sem Abschnitt die Erwartungen an alle Beteiligten klar sind, und Einigkeit dar­über besteht, was wann fer­tig wer­den soll, und wie mit mög­li­chen oder tat­säch­li­chen Problemen umzu­ge­hen ist. Kommunikation ist Königin: Tauscht euch regel­mä­ßig aus, fragt nach, helft euch. Dazu gehö­ren auch die bei­den fol­gen­den Vorgehensweisen.

Biber, Hase, Igel und Fuchs tragen Karten mit einer Nummer darauf. Ganz links hat sich der Biber die 3 unter den Arm geklemmt. Der Hase bringt die Karte mit der 2 mit und zeigt sie den anderen. Der Igel hebt pflichtbewusst die 1 hoch. Ganz rechts hat der rollstuhlfahrende Fuchs die 4 auf dem Schoß und schaut sie skeptisch an.

5.2 Zwischenstände testen und abnehmen

Wenige Arbeitsschritte wer­den in einem ein­zi­gen Schritt erle­digt sein. Oft gibt es Zwischenschritte, die ande­re inner­halb oder außer­halb des Teams begut­ach­ten kön­nen. Es ist eine gute Idee, sol­che Zwischenstände gemein­sam zu über­prü­fen und freizugeben.

Wo immer mög­lich soll­te ein Zwischenstand so getes­tet wer­den, wie er spä­ter im Kurs erschei­nen soll. Einen Text soll­tet ihr also nur als Textdatei lesen und prü­fen, wenn es noch nicht mög­lich ist, ihn in der spä­te­ren Umgebung zu zei­gen. Viel bes­ser ist es, wenn er bereits in der Bildschirmansicht erscheint, die spä­ter auch im Kurs zu sehen sein soll. Wenn die noch nicht ganz fer­tig ist, macht das nichts – schon eine Andeutung, wie es spä­ter aus­se­hen soll, kann hilf­reich sein.

4 verschiedene Hände setzen eine Spielzeug-Eisenbahnstrecke aus Holz zusammen. In der Mitte warten eine Lok und ein Waggon auf ihren Einsatz. In der Strecke ist eine Lücke, in die das letzte Schienen-Teil gehört. Die Lücke hat die Beschriftung: Eins fehlt noch!

Die Zwischenstände soll­ten meh­re­re Leute im Team sehen und kom­men­tie­ren, am bes­ten zuerst die, die am meis­ten davon ver­ste­hen, oder an einer ver­wand­ten Aufgabe arbei­ten. Es ist auch eine gute Idee, schon früh­zei­tig Leute von der Zielgruppe dazu zu holen. Dabei hilft es, genau zu for­mu­lie­ren, was schon fort­ge­schrit­ten oder fer­tig ist, wozu ihr Rückmeldungen braucht, und dass sich all­ge­mein noch eini­ges ändern wird.

Wenn ein Zwischenstand auf die­se Art abge­nom­men ist, soll­tet ihr das auf­schrei­ben. So ist immer klar, was bereits begut­ach­tet wur­de, und mit wel­chem Ergebnis.

5.3 Gesamtprojektstand überwachen und bekanntgeben

Euer Lernkurs ent­steht aus vie­len Teilschritten und ein­zel­nen Beiträgen. Besonders, wenn vie­le Beiträge auf ver­schie­de­ne Menschen ver­teilt sind, kann bei der Umsetzung die Frage auf­kom­men: Wo ste­hen wir eigent­lich im Gesamtprojekt?

Ein großes Segelschiff mit Piratenflagge kreuzt vor einem Strand. Über dem Schiff flattert der Vogel mit einem Tuch auf dem Kopf und behält mit einem Fernrohr den Überblick. Der Biber steht am Strand, mit einem Piratenhut auf dem Kopf und einer Schatzkarte in der Hand. Er schaut unzufrieden auf einen Stein am Strand, auf den ein Kreuz gemalt ist.

Daher ist es wich­tig, dass min­des­tens eine Person den Stand des gesam­ten Projektes im Blick behält. Diese Person muss nicht unbe­dingt das Kommando haben. Es reicht auch, wenn sie ein­fach nur fragt und doku­men­tiert, wie weit alle sind, und das mit dem Zeitplan aus dem Abschnitt „Planung“ ver­gleicht. Die Person soll­te den Gesamtprojektstand regel­mä­ßig erfas­sen und jeder­zeit für das gan­ze Team zugäng­lich machen.

Handlungsbedarf ent­steht, wenn eine Aufgabe nicht wie geplant vor­an­kommt und dabei mög­li­cher­wei­se sogar fol­gen­de Aufgaben blo­ckiert. Wenn das pas­siert, muss etwas getan wer­den. Bei der Aufgabenverteilung wäh­rend der Planung habt ihr bespro­chen, wie ihr mit sol­chen Ereignissen umgeht.

Bei der Überprüfung des Gesamtprojektstandes kann deut­lich wer­den, dass sich Menschen, die ver­schie­de­ne Teilaufgaben erle­di­gen, nicht gut mit­ein­an­der abstim­men. Bereitet euch dar­auf vor, wie ihr mit so einer Situation umgeht.

Hier kann eine Person hel­fen, die ver­mit­telt, oder ein Treffen des gan­zen Teams. Manche Teams funk­tio­nie­ren am bes­ten, wenn jemand das Kommando über­nimmt. Damit müs­sen aber alle ein­ver­stan­den sein.

5.4 Öffentlichkeitsarbeit beginnen

Zwischenstand nach der Umsetzung: Alle Aufgaben sind abge­ar­bei­tet. Ihr habt die Zwischenstände abge­nom­men und wäh­rend der gan­zen Zeit über­wacht, dass das Gesamtprojekt wie geplant vor­an­kommt. Ihr habt früh­zei­tig Kontakt mit Interessierten auf­ge­nom­men und mit Zwischenständen eure Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet.

6 Abnahme

6.1 Testen unter Real-Bedingungen

Ein digi­ta­ler Selbstlernkurs ent­steht oft auf Geräten und in einer Umgebung, die für die Erstellenden funk­tio­nal und bequem sind. Große, schar­fe, gut ein­ge­stell­te Bildschirme, eine ruhi­ge Umgebung, schnel­les Internet, ver­trau­te Software. 

Über einem Flachbildschirm, einem Smartphone, einem alten Computermonitor und einem Laptop schweben 4 Sprechblasen. Darin steht: Die Videos laden nicht. Das ist mit zu kompliziert. Das Bild ist zu klein. Läuft.

Dies sind nicht die Umstände, die bei den Endanwender*innen vor­aus­ge­setzt wer­den kön­nen. Für die Abnahme ist daher ein Test unter Real-Bedingungen ent­schei­dend. Dabei geht es dar­um, spä­te­re Arbeitsbedingungen so gut wie mög­lich nach­zu­stel­len. Wichtige Vorgehensweisen dabei sind:

  • Lernkurs-Ersteller*innen sind nicht die Zielgruppe vom Lernkurs. Versucht statt­des­sen, ver­schie­de­ne Menschen aus der Zielgruppe zu gewin­nen, die euren Lernkurs ausprobieren.
  • Verwendet ver­schie­de­ne Geräte für die Tests, die von euren Arbeitsgeräten abwei­chen. Im Internet gibt es aktu­el­le Quellen zu ver­brei­te­ten Gerätetypen, Betriebssystemen oder Bildschirm-Auflösungen. Orientiert euch an sol­chen Aufstellungen. Die Testpersonen kön­nen und sol­len selbst­ver­ständ­lich auch ihre eige­nen Geräte verwenden.
  • Denkt an Umgebungs-Bedingungen wie schlech­tes Licht, Lärm, Ablenkungen, begrenz­te Zeit, begrenz­te Bewegungsfreiheit, von den Umständen erzwun­ge­ne Eingabe-Methoden (Touchscreen, Trackpad). Ist der Kurs unter die­sem Umständen gut bedienbar?
  • Auf einer großen Achterbahn rollen 4 Wagen mit Schwung abwärts auf einen Looping zu. Aus dem letzten Wagen ruft jemand: Kurs läuft! Alle anderen antworten: Kreisch!
  • Lasst die Umsetzung der Barrierefreiheit prü­fen, die ihr in den Konzepten geplant habt. Dafür müs­sen Betroffene den Kurs mit ihren Geräten und in ihrer Umgebung tes­ten. Zusätzlich gibt es tech­ni­sche Prüf-Programme für Barrierefreiheit. Die Programme erset­zen aber nie­mals ein ech­tes Ausprobieren durch Menschen mit Behinderung. Lasst die Umsetzung der Barrierefreiheit prü­fen, die ihr in den Konzepten geplant habt. Dafür müs­sen Betroffene den Kurs mit ihren Geräten und in ihrer Umgebung tes­ten. Zusätzlich gibt es tech­ni­sche Prüf-Programme für Barrierefreiheit. Die Programme erset­zen aber nie­mals ein ech­tes Ausprobieren durch Menschen mit Behinderung.
  • Lasst die Testpersonen den Kurs unbe­dingt unbe­ein­flusst aus­pro­bie­ren. Idealerweise könnt ihr die Personen direkt beob­ach­ten. Gebt ihnen aber kei­ne Tipps und Hinweise, helft auch bei Problemen nicht sofort wei­ter. Beobachtet statt­des­sen ein­fach nur und macht Notizen. Das fällt vie­len Ersteller*innen am Anfang schwer, es ist aber wich­tig. Befragt die Testpersonen im Anschluss an ihre Erfahrung mit dem Lernkurs.

Am Schluss der Tests soll­tet ihr über die­se Fragen Klarheit haben:

  • Wie kom­men Vertreter*innen der Zielgruppe mit dem Kurs zurecht?
  • Funktioniert der Kurs tech­nisch ohne Probleme?
  • Ist der Zugang leicht und verständlich?
  • Ist der Kurs inhalt­lich und didak­tisch gut auf­ge­baut und verständlich?
  • Gibt es Barrieren, die nicht mit­ge­dacht wurden?

Nach dem Testen müsst ihr einen Arbeitsschritt ein­pla­nen, in dem ihr den Kurs anhand der Erkenntnisse aus den Tests überarbeitet.

Der Fuchs und der Biber sitzen am Tisch und spielen Monopoly. Der Fuchs hält 4 Spielkarten in der Hand und denkt: Gehe zurück auf los ... Der Biber schaut ihn erwartungsvoll an.

6.2 Ziele und Ergebnis vergleichen

Nach dem Abschnitt „Umsetzung“ soll­te ein Lernkurs vor­lie­gen, der der ursprüng­li­chen Planung ent­spricht. Das muss jedoch nicht so sein: Manche Ideen waren viel­leicht nicht umsetz­bar, eini­ge Bilder, Texte oder Aufnahmen sind viel­leicht nicht gut gelun­gen, eini­ge Teile pas­sen am Ende viel­leicht nicht zusam­men. Ihr müsst jetzt also über­prü­fen, ob das, was her­aus­ge­kom­men ist, auch dem ent­spricht, was ihr vorhattet.

Dazu schaut ihr euch die Ziele an, die ihr im Abschnitt „Planung“ for­mu­liert habt, und auch die Ergebnisse der Tests unter Real-Bedingungen. Für jedes Ziel prüft ihr:

  • Wurde das Ziel voll­stän­dig erreicht? Wunderbar, die­ses Ziel könnt ihr abhaken.
  • Wurde das Ziel teil­wei­se erreicht? Dann müsst ihr über­le­gen, ob das aus­reicht, oder ob ihr nach­bes­sern müsst. Falls ihr fin­det, dass es reicht, schreibt euch die­se Entscheidung und ihre Gründe auf.
  • Wurde das Ziel gar nicht erreicht? Da müsst ihr prü­fen, ob ihr das Ziel strei­chen wollt oder könnt. Manchmal war das Vorhaben grö­ßer, als das, was ihr schaf­fen konn­tet. Wenn das Ziel aber wich­tig für den Kurs war, dann müsst ihr auch hier auf­ho­len und das Ziel noch errei­chen. Dadurch kann sich die Bearbeitungszeit für den gan­zen Kurs und auch euer Finanzbedarf ver­grö­ßern. Schreibt auf, war­um die­ses Ziel nicht recht­zei­tig erreicht wur­de. Daraus könnt ihr beim nächs­ten Mal lernen.
Der Hase betritt mit Sommerhut und Gießkanne einen Garten. Ein Apfelbaum und Tomatensträucher tragen Früchte. Daneben wachsen 12 akkurat gepflanzte Möhren aus der Erde.

6.3 Achtet auf die Nachhaltigkeit

Die meis­ten Lernkurse sind für vie­le Menschen über einen lan­gen Zeitraum nütz­lich – mög­li­cher­wei­se viel län­ger, als ihr geplant habt. Damit der Kurs die­se Menschen für den gesam­ten mög­li­chen Zeitraum erreicht, müs­sen eini­ge Voraussetzungen stimmen:

  • Es muss sich jemand für den gesam­ten mög­li­chen Zeitraum um den Lernkurs küm­mern. Das betrifft min­des­tens die Erreichbarkeit des Kurses und die Behebung von Fehlern bei der Benutzung. Noch bes­ser ist die Behebung von inhalt­li­chen Fehlern und Bedien-Hindernissen sowie die Verbesserung anhand von Rückmeldungen von Anwender*innen. 
  • Die tech­ni­sche Plattform muss die geplan­ten Nutzer*innen-Zahlen verkraften.
  • Die tech­ni­sche Plattform muss für den Zeitraum bezahlt oder die Finanzierung sicher­ge­stellt ein, gege­be­nen­falls auch für eine erhöh­te Menge von Zugriffen oder Benutzer*innen.

Wenn ihr das geklärt habt, seid ihr bereit für die Veröffentlichung.

Zwischenstand nach der Abnahme: Echte Nutzer*innen haben euren Lernkurs aus­pro­biert. Ihr habt Probleme nach­ge­bes­sert. Ihr habt euch dar­auf vor­be­rei­tet, dass der Kurs so lan­ge wie mög­lich gut erreich­bar ist.

7 Veröffentlichung

7.1 Letzter Kurz-Test

Durch die Abnahme seid ihr jetzt gut vor­be­rei­tet auf die Veröffentlichung. Aber es gibt immer Fehler oder Probleme, die über­se­hen wer­den. Das kön­nen Tippfehler sein, viel­leicht passt aber auch ein Übergang von zwei unab­hän­gi­gen Teilen im Kurs nicht gut zusam­men. Um noch eine Chance zu haben, die­se Fehler auf­zu­spü­ren, macht ihr jetzt noch einen letz­ten Kurz-Test. Dafür über­tragt ihr den Kurs (falls noch nicht gesche­hen) auf das Veröffentlichungs-System und schal­tet ihn ent­we­der auf eine pri­va­te Ansicht, oder tes­tet ihn öffent­lich zu einer Zeit, wenn wahr­schein­lich nie­mand Drittes drauf­guckt. Achtet dar­auf, den Kurs wäh­rend des Tests von Suchmaschinen aus­zu­schlie­ßen, damit kei­ne fal­schen Einträge entstehen.

Der Igel läuft mit Schraubenschlüssel und Schraubendreher in den Händen auf eine große Rakete zu. Am unteren Ende der Rakete steht eine Luke offen.

Geht den Kurs ein­mal kom­plett durch, und tes­tet noch­mals die wich­tigs­ten Funktionen. Es geht nicht dar­um, sämt­li­che übri­gen Fehler im Kurs zu fin­den – son­dern sicher­zu­stel­len, dass die wesent­li­chen Teile funktionieren.

7.2 Technische Veröffentlichung 

Auf fol­gen­de Punkte könnt ihr achten:

  • Lädt der Kurs schnell genug?
  • Funktioniert der Kurs gut, wenn meh­re­re Leute ihn gleich­zei­tig verwenden?
  • Können Benutzer*innen euch leicht errei­chen, wenn etwas nicht klappt?

7.3 Öffentlichkeitsarbeit

Euer Lernkurs nützt wenig, wenn nie­mand davon weiß. Daher ist es ein wich­ti­ger Teil der Veröffentlichung, dass Menschen von eurem Kurs erfahren.

Die Öffentlichkeitsarbeit soll­te spä­tes­tens zum Zeitpunkt der Fertigstellung begin­nen. Ihr könnt aber bereits damit anfan­gen, Menschen auf den Kurs auf­merk­sam zu machen, wenn die Umsetzung fort­ge­schrit­ten ist und ihr ers­te Eindrücke des Kurses zei­gen könnt – sie­he oben im Abschnitt „Umsetzung“.

Der wich­tigs­te Zweck der Öffentlichkeitsarbeit ist, dass ihr eure Zielgruppe erreicht. Dazu müsst ihr her­aus­be­kom­men, wel­che Quellen und Kanäle die­se Menschen nut­zen. Das kön­nen elek­tro­ni­sche Quellen wie Social Media oder Newsletter sein, aber auch Orte wie Begegnungsstätten, Stadtteilzentren oder Selbsthilfewerkstätten. Vielleicht sind auch Fachpublikationen oder Konferenzen der rich­ti­ge Ort. Diese Kanäle soll­ten über euren Kurs berich­ten oder ihn prä­sen­tie­ren. Das klappt am bes­ten, wenn die­se Orte euch etwas ken­nen. Baut am bes­ten über eine Weile einen Kontakt auf.

Die wich­tigs­ten Werkzeuge der Öffentlichkeitsarbeit sind

  • ein Beschreibungstext, was euer Kurs kann und war­um man mit ihm ler­nen sollte
  • Medien wie Fotos, Videos oder Audio, die einen Eindruck geben, was in dem Kurs passiert. 

7.4 Feiern

Herzlichen Glückwunsch – der Weg ist geschafft. Ihr habt es von der Vorbereitung über alle Hürden der Fertigstellung hin zu einem fer­ti­gen Lernkurs gebracht. Das dürft und soll­tet ihr rich­tig fei­ern! Am bes­ten ladet ihr nicht nur alle ein, die mit­ge­macht haben, son­dern nutzt die Gelegenheit, um euch gleich noch­mal bei allen Helfer*innen zu bedanken.

Und jetzt – wo ihr wisst, wie es geht – habt ihr viel­leicht Lust, einen wei­te­ren Lernkurs auf die Beine zu stel­len? Überlegt euch und schreibt auf, was ihr beim nächs­ten Mal bes­ser machen könnt, und legt los!

Eine große Feier ist im Gange. Unter Girlanden und Musik stupsen der Biber und der Fuchs die Fäuste aneinander. In ihrer freien Hand halten beide ein Sektglas. Der Hase und der Vogel umarmen sich innig. Der Igel steht daneben und hebt erfreut die Hand.